Es
ist schwer darüber zu schreiben. Es ist ja immer schwer Kritik
Niveauvoll zu äußern. Wie fängt man so was denn an? Mir gefällt
das nicht... klingt doch einfach nur affig.
Während
meines Jahres habe ich viel in diesem Land mitbekommen, über die
Menschen, über ihre Kultur und über ihre Einstellung. Und so sehr
ich auch in dieses Land verliebt bin, es ist nicht alles super. Aber
in welchem Land ist es denn auch?
Es
gibt halt paar Sachen die einem ins Auge fallen, zum Beispiel die
Problematik auf Galapagos, die ich ja schon mal erwähnt habe. Aber
was noch viel gravierender ist, ist die Verhimmlichung der "Primer
Mundo", soll heißen der Industriestaaten. Wo soll ich denn
anfangen? Fangen wir bei dem Oberflächlichen an, die
Schönheitsideale sind Größe, blonde Haare und helle Augen. Was
denkt ihr wie viele Personen entsprechen diesem Ideal? Genau, fast
niemand. Aber trotzdem wird in der Werbung im Fernsehen die "weiße"
Frau mit ihrer Perfektion gezeigt und nicht eine ebenso wunderschöne
ecuadorianische Frau. Okay, ich verstehe, dass unser Schönheitsideal
auch komplett verschoben ist - aber dennoch haben wir die Chance so
aussehen zu können, wie eine dieser gephotoshopten Frauen. Aber was
soll eine 1,58 cm Ecuadorianerin machen mit ihren dunklen Augen,
Haaren und ihrer dunkleren Haut? Sich bleichen lassen? Ach stimmt,
ich vergaß - das ist möglich hier. Die Frauen können sich weißer
machen durch irgendwelche chemischen Stoffe, und das geht fast in
jedem Kosmetikstudio... Überlegt euch das doch mal, das ist doch
irrwitzig... Aber das ist nur der Anfang. Für die Ecuadorianer ist
"der weiße Mann" der Held, er weiß und versteht alles.
Wisst ihr wie oft ich zu hören bekommen habe, wie perfekt doch das
Leben in Deutschland sei? Und ja ich kann dem teilst zu stimmen,
ökonomisch gesehen könnten wir nicht mehr Glück haben. Denn
überlegt mal, der Mindestlohn liegt hier bei 380 Dollar im Monat bei
gleichen Lebensmittelpreisen. Es stimmt Obst, Unterhaltskosten und
Dienstleistungen sind günstiger - aber trotzdem, wie soll denn eine
Familie von dem Stundenlohn von 2 Dollar irgendwas, über die Runden
kommen? Klar, es ist vollkommen verständlich dass sie unser
"Reichtum" verherrlichen. Allein die Tatsache, dass wir uns
jährlich einmal eine zweiwöchige Urlaubsreise genehmigen können
ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, zeigt ja das
wir eine stabile Wirtschaft haben. Und kein Wunder, dass eine
ecuadorianische Familie die hunderte Touristen tagtäglich in der
Stadt sieht, davon ausgeht dass wir Geld haben. Aber, dass sie uns
verherrlichen ist bisschen übertrieben. Aber uns scheint es ja nicht
wirklich zu stören, da wir jedes Jahr 150 Freiwillige aus
Deutschland in einen "entwicklungspolitischen"
Freiwilligendienst nach Ecuador schicken... Und wie viele gehen nach
Deutschland? 7, 7 Ecuadorianer haben die Möglichkeit das zu machen
und nein es darf nicht jeder machen. Sie sollen einen Uniabschluss
nachweisen (für uns reicht ja nur das ABI), darüber hinaus müssen
sie Eigenbeteiligung einbringen. Und wer kann sich das leisten?
Natürlich die "obere" Schicht, hingegen ist es in
Deutschland (fast) für jeden zugänglich. Aber ist die Tatsache an
sich nicht schon unfair, dass bei mir das Abi reicht um zu "helfen"
und umgekehrt ein Uniabschluss notwendig ist?? Die Ecuadorianer sind
sich gar nicht bewusst, wie viel sie uns lehren könnten. Einfach nur
über das umgehen miteinander oder über Verhältnisse auf dem
Arbeitsplatz. Denkt ihr der Durchschnittsecuadorianer wird irgendwann
an Burnout leiden da der Leistungsdruck der Gesellschaft das
verursacht? Es gibt so viele menschliche Aspekte die wir lernen
könnten, aber nein wir belassen es dabei nur zu geben, weil wir ja
so unglaublich perfekt sind... Ihr wisst gar nicht wie dieses Jahr an
sich abläuft, ich versuche es mal in Worte zu fassen:
Ich
unterrichte, ja ich gebe mein Englischwissen weiter - wofür ich aber
keine weitere Bildung habe. Ich weiß nichts über Pädagogik oder
Psychologie und es ist trotzdem okay, dass ich mit meinem "Wissen"
in einem Gefängnis unterrichte oder eine andere Person in einer
Schule oder Gymnasium. Versteht mich nicht falsch, dieses Jahr ist
die tollste Erfahrung die ich je hätte machen können und sie bringt
mich menschlich so viel weiter, dennoch ist es nicht korrekt.
Überlegt doch mal, in Deutschland würde mich niemand diese
Tätigkeit ausführen lassen - aber in dem 3. Welt Land (wie wir oft
so schön sagen) ist das okay. Warum geht das? Wenn mir das bitte
jemand beantworten könnte. Warum ist es denn überhaupt ein
"3. Welt Land"? Weil wir aus der 1. Welt es komplett
ausgebeutet haben und es immer noch tun, aber es ist okay weil wir
helfen... Aber ganz ehrlich das ist bullshit. Ich helfe hier gar
nicht, ich nehme nur. Ich nehme mit für MEIN Leben, und ich nehme
einen Arbeitsplatz weg. Da stellt sich mir die Frage, warum habe ich
das Recht hier zu sein? Warum darf ich das machen, was ich mache?
Wirklich
versteht mich bitte nicht falsch ich bin unglaublich dankbar für
diese Chance, wirklich, einfach das Wort Dankbarkeit drückt gar
nicht aus was ich empfinde - aber es ist einfach unfair. Ich weiß
ich werde die Welt nicht ändern können, aber mir reicht es schon
wenn ich diese Idee von der gesellschaftlichen Differenz in einzelnen
Köpfen annulliere und ehrlich gesagt, dass ist auch was ich versuche
hier zu tun. Sobald mich jemand fragt, wie toll doch Deutschland ist
erkläre ich wie es ist, dass wir noch unglaublich viel menschliches
Miteinanderssein von Ecuador lernen müssen. Und das die Idee von dem
perfekten Leben nicht wahr ist, es ist zusammen gegurgelt und basiert
auf geschichtlichen Ereignissen die einfach nicht mehr wahr sind. Wir
sind eine (mehr oder weniger) gut funktionierende kapitalistische
Gesellschaft. Die Armut (die wir natürlich auch haben) ist nicht
vergleichbar mit der Armut hier. Überlegt aber mal, ich arbeite mit
einer wirklich schwierigen Gruppe von Menschen zusammen und trotzdem
hat mich vor kurzem eine alleinerziehende Mutter mit 4 Kindern ohne
Arbeit zum Essen eingeladen. Obwohl sie selbst nichts hat, wäre sie
Bereit gewesen es mit mir zu teilen... Und jetzt ehrlicherweise sagt
mal:
besteht
wirklich keine Möglichkeit, dass wir was von den
Ecuadorianern lernen könnten?
Hier
noch ein wirklich guter Artikel
der dieses Thema behandelt, lohnt sich wirklich zu lesen!