Sonntag, 30. Juli 2017

Mein letzter Tag

War für mich unglaublich schwierig. Um ehrlich zu sein meine schwirigste Verabschiedung bisher in meinem ganzen Leben. Am letzten Tag war ein Programm für die Kinder geplant, mit Clowns und einem Pantomimen. Natürlich hatte ich die Ehre mich als Clown zu verkleiden. Der Tag war unglaublich amüsant und an sich ein schöner Abschied, aber als er zu Ende ging hat es sich angefühlt, als würde ein Teil meines Ichs verschwinden. Es hat mich zu Tränen gerührt, weil ich, wie ich selber auch weiß, mit einer großen Wahrscheinlichkeit keins der Kinder je wiedersehen werde. Ich war einfach nur ein kleiner Teil ihres Lebens, was ins vergessen geraten wird. Jedoch waren sie für mich so viel mehr - und dennoch werden sie das nie erfahren... Traurig aber wahr, jeder wird seines Weges gehen und keine Chance kriegen den Lebensweg des anderen Mitzuverfolgen. 


Mientras tus viajes tienes el privilegio encontrar las mejores amistades. La pregunta es sólo hasta cuando les duraran...

Sonntag, 23. Juli 2017

Nicht meine beste Eigenschaft

Ist definitiv meine Schludrigkeit. Sonst würde ich nicht gefühlte 20 Berichte rückdatieren. Bitte nimmt es mir nicht übel, liest einfach die letzten Berichte im Rücklauf. Danke und es tut mir wirklich leid, dass ich solange nichts geschrieben habe - aber kommt, dafür ist mein Blog jetzt top aktuell!

Bisschen Kritik, schadet nie

Es ist schwer darüber zu schreiben. Es ist ja immer schwer Kritik Niveauvoll zu äußern. Wie fängt man so was denn an? Mir gefällt das nicht... klingt doch einfach nur affig.

Während meines Jahres habe ich viel in diesem Land mitbekommen, über die Menschen, über ihre Kultur und über ihre Einstellung. Und so sehr ich auch in dieses Land verliebt bin, es ist nicht alles super. Aber in welchem Land ist es denn auch?

Es gibt halt paar Sachen die einem ins Auge fallen, zum Beispiel die Problematik auf Galapagos, die ich ja schon mal erwähnt habe. Aber was noch viel gravierender ist, ist die Verhimmlichung der "Primer Mundo", soll heißen der Industriestaaten. Wo soll ich denn anfangen? Fangen wir bei dem Oberflächlichen an, die Schönheitsideale sind Größe, blonde Haare und helle Augen. Was denkt ihr wie viele Personen entsprechen diesem Ideal? Genau, fast niemand. Aber trotzdem wird in der Werbung im Fernsehen die "weiße" Frau mit ihrer Perfektion gezeigt und nicht eine ebenso wunderschöne ecuadorianische Frau. Okay, ich verstehe, dass unser Schönheitsideal auch komplett verschoben ist - aber dennoch haben wir die Chance so aussehen zu können, wie eine dieser gephotoshopten Frauen. Aber was soll eine 1,58 cm Ecuadorianerin machen mit ihren dunklen Augen, Haaren und ihrer dunkleren Haut? Sich bleichen lassen? Ach stimmt, ich vergaß - das ist möglich hier. Die Frauen können sich weißer machen durch irgendwelche chemischen Stoffe, und das geht fast in jedem Kosmetikstudio... Überlegt euch das doch mal, das ist doch irrwitzig... Aber das ist nur der Anfang. Für die Ecuadorianer ist "der weiße Mann" der Held, er weiß und versteht alles. Wisst ihr wie oft ich zu hören bekommen habe, wie perfekt doch das Leben in Deutschland sei? Und ja ich kann dem teilst zu stimmen, ökonomisch gesehen könnten wir nicht mehr Glück haben. Denn überlegt mal, der Mindestlohn liegt hier bei 380 Dollar im Monat bei gleichen Lebensmittelpreisen. Es stimmt Obst, Unterhaltskosten und Dienstleistungen sind günstiger - aber trotzdem, wie soll denn eine Familie von dem Stundenlohn von 2 Dollar irgendwas, über die Runden kommen? Klar, es ist vollkommen verständlich dass sie unser "Reichtum" verherrlichen. Allein die Tatsache, dass wir uns jährlich einmal eine zweiwöchige Urlaubsreise genehmigen können ohne dabei in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, zeigt ja das wir eine stabile Wirtschaft haben. Und kein Wunder, dass eine ecuadorianische Familie die hunderte Touristen tagtäglich in der Stadt sieht, davon ausgeht dass wir Geld haben. Aber, dass sie uns verherrlichen ist bisschen übertrieben. Aber uns scheint es ja nicht wirklich zu stören, da wir jedes Jahr 150 Freiwillige aus Deutschland in einen "entwicklungspolitischen" Freiwilligendienst nach Ecuador schicken... Und wie viele gehen nach Deutschland? 7, 7 Ecuadorianer haben die Möglichkeit das zu machen und nein es darf nicht jeder machen. Sie sollen einen Uniabschluss nachweisen (für uns reicht ja nur das ABI), darüber hinaus müssen sie Eigenbeteiligung einbringen. Und wer kann sich das leisten? Natürlich die "obere" Schicht, hingegen ist es in Deutschland (fast) für jeden zugänglich. Aber ist die Tatsache an sich nicht schon unfair, dass bei mir das Abi reicht um zu "helfen" und umgekehrt ein Uniabschluss notwendig ist?? Die Ecuadorianer sind sich gar nicht bewusst, wie viel sie uns lehren könnten. Einfach nur über das umgehen miteinander oder über Verhältnisse auf dem Arbeitsplatz. Denkt ihr der Durchschnittsecuadorianer wird irgendwann an Burnout leiden da der Leistungsdruck der Gesellschaft das verursacht? Es gibt so viele menschliche Aspekte die wir lernen könnten, aber nein wir belassen es dabei nur zu geben, weil wir ja so unglaublich perfekt sind... Ihr wisst gar nicht wie dieses Jahr an sich abläuft, ich versuche es mal in Worte zu fassen:

Ich unterrichte, ja ich gebe mein Englischwissen weiter - wofür ich aber keine weitere Bildung habe. Ich weiß nichts über Pädagogik oder Psychologie und es ist trotzdem okay, dass ich mit meinem "Wissen" in einem Gefängnis unterrichte oder eine andere Person in einer Schule oder Gymnasium. Versteht mich nicht falsch, dieses Jahr ist die tollste Erfahrung die ich je hätte machen können und sie bringt mich menschlich so viel weiter, dennoch ist es nicht korrekt. Überlegt doch mal, in Deutschland würde mich niemand diese Tätigkeit ausführen lassen - aber in dem 3. Welt Land (wie wir oft so schön sagen) ist das okay. Warum geht das? Wenn mir das bitte jemand beantworten könnte. Warum ist es denn überhaupt ein  "3. Welt Land"? Weil wir aus der 1. Welt es komplett ausgebeutet haben und es immer noch tun, aber es ist okay weil wir helfen... Aber ganz ehrlich das ist bullshit. Ich helfe hier gar nicht, ich nehme nur. Ich nehme mit für MEIN Leben, und ich nehme einen Arbeitsplatz weg. Da stellt sich mir die Frage, warum habe ich das Recht hier zu sein? Warum darf ich das machen, was ich mache?
Wirklich versteht mich bitte nicht falsch ich bin unglaublich dankbar für diese Chance, wirklich, einfach das Wort Dankbarkeit drückt gar nicht aus was ich empfinde - aber es ist einfach unfair. Ich weiß ich werde die Welt nicht ändern können, aber mir reicht es schon wenn ich diese Idee von der gesellschaftlichen Differenz in einzelnen Köpfen annulliere und ehrlich gesagt, dass ist auch was ich versuche hier zu tun. Sobald mich jemand fragt, wie toll doch Deutschland ist erkläre ich wie es ist, dass wir noch unglaublich viel menschliches Miteinanderssein von Ecuador lernen müssen. Und das die Idee von dem perfekten Leben nicht wahr ist, es ist zusammen gegurgelt und basiert auf geschichtlichen Ereignissen die einfach nicht mehr wahr sind. Wir sind eine (mehr oder weniger) gut funktionierende kapitalistische Gesellschaft. Die Armut (die wir natürlich auch haben) ist nicht vergleichbar mit der Armut hier. Überlegt aber mal, ich arbeite mit einer wirklich schwierigen Gruppe von Menschen zusammen und trotzdem hat mich vor kurzem eine alleinerziehende Mutter mit 4 Kindern ohne Arbeit zum Essen eingeladen. Obwohl sie selbst nichts hat, wäre sie Bereit gewesen es mit mir zu teilen... Und jetzt ehrlicherweise sagt mal: 





besteht wirklich keine Möglichkeit, dass wir was von den Ecuadorianern lernen könnten?



Hier noch ein wirklich guter Artikel der dieses Thema behandelt, lohnt sich wirklich zu lesen! 

Freitag, 14. Juli 2017

Man muss ja bisschen planen...

Ich habe nicht darüber geschrieben, aber ich denke ich bin es irgendwie schuldig. Während der letzten Monaten habe ich mir viele Gedanken über meine Zukunft gemacht und mich entschlossen meine Tätigkeit hier mehr oder weniger fortsetzen zu wollen... Ich werde ab dem nächsten Semester Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Migration und Integration studieren. Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Studienrichtung zu mir passt und ich damit im meinem Leben glücklich werden kann. 

Und wenn ich schon nur einmal lebe, möchte ich das auch genießen können. Oder etwa nicht?